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| Der Rausch der Freiheit
Henriette, die Revolution und die Suche nach Glück Sofern Sie volljährig sind, können Sie den Band z. Zt. hier laden
Gedruckt bekommen Sie das Buch hier Einleitung Henriette Glogau kommt 1844 als Dienstmädchen aus dem holsteinischen Amt Cismar nach Crempe bei Glückstadt, nachdem ihr Vater, ein ehemaliger Amtmann, früh verstarb. Sie erreicht es, täglich eine Stunde lesen zu dürfen. Dabei lernt sie auf dem Mühlenberg Klas Klasen kennen, einen bildungshungrigen Bauernsohn, der als junger Schreiber bei einem Kieler Kaufmann scheiterte und nach Hause zurückgekehrt war. Zusammen mit dem Cremper Lehrer lesen sie verbotene Schriften, auch über die Französische Revolution, und begeistern sich für die Republik, um eine freie Gesellschaft ohne Herrschaft des Adels durchzusetzen. Republik heißt für sie bald auch, die im industriellen Prozeß neben den Fabrikanten neu entstehende Klasse der Arbeiterinnen und Arbeiter müßten als Menschen gleichberechtigt und nicht nur als Pöbel oder Masse eigentumsloser Leute verstanden werden. Sonst sei Freiheit nicht möglich, wie es bereits im Kommunistischen Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels heiße. Um die sich ankündigenden revolutionären Entwicklungen besser zu verstehen, studieren sie auch frühe Schriften über die soziale und biologische Entwicklung, wie sie dann 1859 Karl Marx für Gesellschaften und Charles Darwin für die Biologie als bis heute gültige Theorien sozialer und biologischer Evolution publizieren. Als Klas zu einer Arbeit bei einem Kaufmann nach Kiel zurückkehren kann, heiraten Henriette und er und werden bald in den Kreis der revolutionär denkenden bürgerlichen Liberalen aufgenommen, die die Herzogtümer Schleswig und Holstein vom dänischen Absolutismus befreien wollen. Im Februar 1848 kommt es in Paris und am 13. März in Wien zur erfolgreichen Revolution gegen das Großbürgertum in Paris beziehungsweise den österreichischen Kaiser. Nun wollen auch die Kieler Bürgerlichen losschlagen, und Henriette, die mit dem Zug von Rendsburg nach Kiel gekommen war, schlägt vor, mit der Eisenbahn direkt an den Wall einer der größten Festungen im Norden, Rendsburg, zu fahren, um die Wachen zu überrumpeln. Die List gelingt. Eine provisorische Regierung für Schleswig und Holstein wird in Kiel proklamiert. Zugleich ist auch in Berlin am 18. März eine vorerst erfolgreiche Revolution ausgebrochen, wie in fast allen anderen deutschen Ländern zuvor. Klas organisiert in Kiel das Heranschaffen revolutionärer Schriften, die Henriette dort und in den Nachbarstädten verteilen läßt. Doch der Schmuggel scheint gefährdet. Als Klas in Berlin prüfen will, was dort los ist, verlangt Henriette, mitzufahren. Nach der Beseitigung der Schwierigkeiten beim Schmuggel geraten beide in Berlin in erneute revolutionäre Aktionen. Plötzlich sehen sie sich beim Sturm der Bevölkerung auf das Zeughaus vor einer Reihe auf sie gerichteter Flinten. Mit lauter Stimme kann Henriette den Offizier bewegen, nicht auf die Revolutionäre zu schießen. Doch der Aufstand mißlingt. Klas wird erkannt und als Aufrührer verhaftet. Henriette erinnert sich an einen Fluchtplan, den Caroline Schulz, die Frau eines Freiheitskämpfers der Zeit um 1815, für ihren Mann ersann. Sie kann in einem Sessel ein Seil und in zwei Buchrücken Feilen versteckt in die Zelle Klasens bringen lassen. Die Flucht gelingt. Als Mann verkleidet reitet sie mit Klas nach Kiel zurück. Als beide dort ankommen, hören sie von der Niederschlagung einer neuen Revolution in Paris, die europäische Revolution scheint im Juni 1848 schon besiegt, zumindest aber sehr geschwächt. Die beiden überlegen nun ihre weitere Zukunft, ob sie vielleicht verhaftet werden, und wie ihr Leben weitergehen soll, ob sie Kinder haben wollen. Klas denkt daran, den californischen Goldrausch zu nutzen, um finanziell unabhängig zu werden, aber Henriette sperrt sich dagegen, sie will ihn nicht allein gehen lassen. Bald muß Klas sich in Berlin erneut um die Schmuggelfahrten kümmern. Henriette verlangt wieder, ihn zu begleiten. Das scheint möglich, weil ihre richtigen Personalien nicht bekannt wurden. Doch schon bei ihrer Ankunft sehen sie Geheimpolizisten. Als später noch weitere sich nach ihnen erkundigen, fliehen sie erneut zu Pferde, wenn auch über einen anderen Weg, nach Kiel zurück. In Frankfurt am Main ist mittlerweile in der Paulskirche die deutsche Nationalversammlung zusammengetreten, die durch die März-Revolutionen in den Kleinstaaten Deutschlands und in Österreich und Preußen durchgesetzt worden war. Doch die bürgerlichen Abgeordneten wollen nur eine konstitutionelle Monarchie. Und sie überlassen dem Adel die Außenpolitik und die Armee. Auf die Annektion Schleswigs durch den dänischen König, war es auch zum Krieg des Deutschen Bundes, vertreten durch Preußen, gegen Dänemark gekommen. Preußen und Dänen hatten dann in Malmö einen Waffenstillstand ausgehandelt, in dem das weit stärkere Preußen den Dänen große Zugeständnisse machte und zugleich die Provisorische Regierung in Kiel nicht anerkannt wurde. Die Revolutionäre in Kiel wollen dagegen in der deutschen Nationalversammlung in Frankfurt intervenieren, diesen Friedensvertrag nicht anzuerkennen. Deshalb werden aus Kiel Abgesandte zu den Fraktionen in der Paulskirche geschickt, um eine Ablehnung zu erreichen. Auch Klas und – selbstverständlich – Henriette fahren dort hin, die radikale Linke zur Ablehnung zu drängen und sich mit den anderen Fraktionen zu verständigen. Doch die Nationalversammlung akzeptiert die Außenpolitik des Deutschen Bundes und Preußens. In Frankfurt empört sich die Bevölkerung über den Verrat an der Revolution. Doch die Proteste sind nur noch halbherzig – bis Henriette mit einer Rede den Bau von Barrikaden bewirkt, was sie selbst gar nicht für möglich und sinnvoll gehalten hatte. Die Demonstrationen werden jedoch schnell militärisch niedergeschlagen. Wieder müssen beide fliehen. Über den Rhein und Köln wollen sie diesmal zurückkehren, um dort die Redaktion der Neuen Rheinischen Zeitung zu besuchen, die revolutionäre Zeitung, die sie seit ihrem Start gleich nach der Revolution beständig nach Kiel schuggelten. Doch dort wird eben der Belagerungszustand erklärt, das preußische Militär übernimmt die Macht. Der Besuch bei Marx und Engels, die diese Zeitung leiten, muß ausfallen. Die Revolutionen in Deutschland sind so gut wie verloren, die Nationalversammlungen werden gewaltsam aufgelöst. Die Linken versuchen, eine letzte Kampagne zugunsten der in Frankfurt beschlossenen Verfassung für ganz Deutschland zu organisieren. Henriette und Klas, die mittlerweile in Berlin als Geschäftsleute leben können, da ihre wahre Identität nicht erkannt wurde, haben eine geschäftliche Reise nach Dresden zu unternehmen. Dabei geraten sie um ein Haar unter die Säbel der Kavallerie, als dort einer der letzten verzweifelten Aufstände niedergeschlagen wird. Wieder fliehen sie zurück nach Berlin. Doch auch der Schmuggel mit den verbotenen Schriften wird dort nun entdeckt. Nur knapp entkommen sie auf der Elbe nach Hamburg. Und dort verläßt Klas Henriette heimlich. Völlig resigniert will er in Californien Gold suchen, um Henritte dann nachholen zu können. Sie versteckt sich unter ihrem Mädchennamen in Crempe vor weiterer Verfolgung. Lange hört sie nichts von Klas, dessen Pläne sich nicht realisieren lassen. Er ist zu schwach für die Goldgräberlager, hat auch zu wenig Mittel. Doch dann trifft er Leute dort, mit denen er eine Wohn- und Arbeitskommune gründen will, eine Farm: Holstein. Als er sich bei Henriette dann endlich meldet, schickt die einen kurzen Brief, sie sei nun schwanger, und er könne sich scheiden lassen. Klas erkennt aber, dieser Brief wurde ihr befohlen. Denn sie haben für die Zukunft über die freie Liebe sich verständigt. So holt er sie nach Californien, wo ihre Liebe ungebrochen weiterlebt. Zusammen mit ihrer Tochter Louise fahren sie Jahre später nach Berlin als Botschafter der Farm und der Firma für Dampflokomobile, die ihre Gruppe in Californien aufgebaut hat. Klas wird nun der Kaufmann, der er früher einmal werden wollte. Bald verläßt er Berlin, um in Italien und Ägypten für Dampflokomobile zu werben und dann ihre Tochter Louise nach Amerika zu bringen, nachdem der dortige Bürgerkrieg zugunsten der Sklavenbefreiung gewonnen ist. Henriette wird in Berlin mehr und mehr zu einer Sozialistin und setzt sich für die Emanzipation der Arbeiterbewegung ein. Sie wird zusammen mit Lisa, ihrer lesbischen Liebe, Journalistin, und erlebt die europäischen Kriege Bismarcks von 1864 bis zum deutsch-französischen Krieg 1870-71. Es gelingt ihr und Lisa, ins von den Deutschen belagerte Paris zu gelangen, und dort erleben sie das Massaker der französischen Regierung an den Kommunardinnen und Kommunarden der Pariser Kommune mit, die 1871 durch eine freie Wahl entstanden war. Müde kehrt Henriette zu ihrer Liebe Klas nach Californien zurück, um ihr persönliches Glück zu finden. Der Rausch der Freiheit ist für jenes Jahrhundert vergangen. Inhaltsverzeichnis Einleitung 4 Goldsuche 9 Crempe in Holstein 25 Henriette 36 Soziale Evolution 64 Henriettes Eroberung Rendsburgs 78 Sturm auf das Berliner Zeughaus 89 Junirevolution in Paris 97 Henriettes Barrikaden in Frankfurt 106 Diktatur der Bourgeoisie 114 Flucht vor der Kontrerevolution 125 Freie Liebe? 131 Berlin 139 Die Arbeiterbewegung 157 Europäische Kriege 168 Klappentexte 183 |
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